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Nachhaltigkeit liegt im Trend. Allerdings ist der Begriff sehr weit gefasst. In unterschiedlichen Kontexten beschreibt er mal ein Problem, mal eine Haltung, mal einen Handlungsaufruf oder auch mal eine Lösung. Darüber hinaus kann das Wort im Privaten eine andere Bedeutung annehmen als im beruflichen Umfeld. Klar ist aber: Für die Allerwenigsten ist Nachhaltigkeit ist ein Trend, den man vorbeiziehen lassen könnte. Auch auf Unternehmen wächst der gesellschaftliche und politische Druck, mit dem Thema umzugehen. Aber wie?


Drei ESG Kriterien für mehr Vergleichbarkeit

ESG steht für Environmental (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung). Alle drei Kriterien, werden herangezogen, um die Nachhaltigkeit des Wirtschaftens eines Unternehmens bewerten zu können:

  1. „Environmental“ betrachtet, inwieweit ein Unternehmen die Umwelt verschmutzt. Hierzu zählen unter anderem der CO²-Ausstoß und die Schadstoff-Emission. Bewertet wird, inwiefern ein Unternehmen zum Klimawandel beiträgt.
  2. Eine nachhaltige Mitarbeiterführung und ein verantwortungsvoller Umgang mit Dienstleistern und Zulieferern wird unter dem Kriterium „Social“ bewertet.
  3. „Governance“ umfasst schließlich die gesamtheitliche Unternehmensführung mit Augenmerk auf Transparenz und Fairness. 

Am Ende geht es bei ESG darum, unternehmerische Verantwortung zu evaluieren und nachhaltiges Handeln von Unternehmen vergleichbar zu machen.

In der Finanzberatung ist Nachhaltigkeit seit August 2022 Pflicht

Seit August 2022 ist es für Finanzdienstleister und Versicherungen verpflichtend geworden, im Rahmen einer Produktberatung – zum Beispiel zu Aktienfonds oder aktienbasierten Lebensversicherung – ihren Kunden nicht nur in Bezug auf deren Risikoklassifizierung zu befragen, sondern auch nach deren ESG-Präferenzen. Dem Finanz- und Versicherungssektor ist dadurch notwendigerweise eine Schlüsselfunktion zugewiesen worden, um eine erfolgreiche Entwicklung der Gesellschaft hin zu Nachhaltigkeit und verantwortungsvollem Handeln anzustoßen. Denn die nachhaltige Perspektive ist nicht nur für die Finanzdienstleiter und Versicherungen selbst verpflichtend; sie wird über das Privatkunden- und B2B-Geschäft sowie über damit verbundenen Wertschöpfungsketten auch an viele weitere Unternehmen weitergegeben und branchenübergreifend gestreut.

Das ESG-Team der ajco für Themen der Finanzberatung

In den vergangenen Monaten hat ajco ein ESG-Team zusammengestellt, das sich unter Leitung von Senior Consultant Victor Küpper eine tiefe Fachkompetenz erarbeitet hat. Das Team hat umfassende Recherchen angestellt und die Ergebnisse nicht nur mit den Informationen aus dem Branchennetzwerk der ajco abgeglichen, sondern auch mit Kunden aus dem Finanzdienstleistungssektor. Nicht zuletzt haben die Berater der ajco die EU-Taxonomieverordnung, die als Grundlage zur Bewertung von Nachhaltigkeit anhand der ESG-Kriterien gilt, detailliert ausgewertet und für die Beratung nutzbar gemacht. Als Ergebnis standen neben einer umfassenden Expertise viele Beratungsansätze, von denen ajco-Kunden zukünftig profitieren dürfen.

Der Kern von ESG: Die EU-Taxonomie- und Offenlegungsverordnung

Bei der EU-Taxonomie- und Offenlegungsverordnung handelt es sich um ein großes und komplexes Regelwerk. Ziel der Verordnung ist, Einheitlichkeit und Transparenz zu schaffen, damit Anleger zu bestimmten Finanzprodukten unter anderem Informationen zur ESG einsehen und vergleichen können. Dabei hat der Gesetzgeber die drei ESG-Kriterien zwar deutlich formuliert, jedoch gerade im Bereich der Messbarkeit klare Bestimmungen und Kennzahlen offengelassen. So können Beiträge zum Klimaschutz oder die Emission von Schadstoffen dank wesentlicher Kriterien für den Umweltschutz eindeutig ermittelt werden. Die Taxonomien für Social und Governance sind bislang aber unveröffentlicht geblieben. Sie seien derzeit in Arbeit, heißt es seitens der EU. 

Was wurde konkret analysiert?

Das ESG-Team der ajco hat diverse Beschlüsse und Regularien für Finanzdienstleister hinsichtlich der ESG-Kriterien analysiert. Im Mittelpunkt der Auswertung standen die Finanz- und Versicherungsbranche, wobei auf den Änderungen gemäß MiFID II und IDD ein besonderes Augenmerk lag – im Besonderen bezüglich der Geeignetheitsprüfung. Dabei haben wir die Herkunft der ESG-Daten identifiziert sowie verschiedene ESG-Ratings analysiert, zum Beispiel von MSCI. Außerdem haben wir uns detailliert mit den mitgelieferten Datenmodellen des WM-Datenservices als wichtiger Datenquelle für die Finanzbranche auseinandergesetzt. Zuletzt haben wir in enger Zusammenarbeit mit einzelnen ajco-Kunden die konkreten Auswirkungen der Taxonomieverordnung auf Finanzprodukte in Finanzdienstleistungen untersucht.

Ganz umsonst und ohne Vorprojekt: Drei Einsichten zu ESG in der Finanzberatung

Unser Zwischenfazit zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lautet:

  1. Finanzberater und Finanzdienstleister können sich hinsichtlich der ESG-Vorgaben derzeit an der überarbeiteten DIN-Norm 77223 orientieren, um die Nachhaltigkeitspräferenzen gesetzeskonform abzufragen.
  2. Auf den ersten Blick mag unklar sein, wie nachhaltige Finanzprodukte genau kategorisiert sind. Klarheit kann das Zielmarktkonzept (oder Verbändekonzept) schaffen. Hier sollten mehrere Stufen (mangelnder) Nachhaltigkeit definiert und kategorisiert werden. Unterschieden werden kann etwa zwischen nicht-nachhaltigen Finanzprodukten, ESG-Strategieprodukten und Impact-Produkten.
  3. Jenseits der Frage nach der Umsetzung von Regularien und Beschlüssen, ist ESG im Stande, tatsächliche Veränderungen zu bewirken. Nachhaltigkeit ist in der Finanz- und Versicherungsbranche Pflicht, bietet aber auch neue Chancen. So kann ESG die Attraktivität von Produkten erhöhen, etwa wenn sich die Kundenerwartungen nachdrücklich ändern. Zuletzt können sich Finanz- und Versicherungsunternehmen mithilfe einer ESG reaktionsfähig machen, um auf zukünftige Herausforderungen zu reagieren – zum Beispiel, indem die Provision für ESG-konforme Produkte angepasst wird.
  4. ESG bietet Chancen

ESG ist ein komplexes dynamisches Thema, da es fortlaufend Neuerungen in den Regularien und Beschlüssen geben wird. Das ESG-Team der ajco erweitert darum systematisch und stetig das Unternehmenswissen, um auf Neuerungen angemessen reagieren zu können. Schon heute ist sichtbar, dass in der Finanz- und Versicherungsbranche ESG sowohl im Produktauswahlprozess als auch in der Risikoprofilierung beziehungsweise bei der Abfrage von Präferenzen für die Wertpapieranlage Anwendung finden wird. Aber auch im Kontext der Vertriebssteuerung, bei der Customer Experience oder dem Provisionsprozess wird das Thema an Relevanz gewinnen. Derzeit erarbeitet ajco einen ESG-Fragebogen, damit ajco-Kunden die Nachhaltigkeitspräferenzen bestmöglich und effizient abfragen können. Auch zur Nutzung der ESG-Kriterien im Marketing und im Rahmen des Customer Experience-Prozesses beraten wir Sie gerne.


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